Engadiner Jungforscherin erhält zwei Preise

Für ihre Arbeit «Erstnachweis von Mikroplastik in den Gewässern des Oberengadins» wurde Anna Sidonia Marugg am Samstag von «Schweizer Jugend forscht» zweifach ausgezeichnet. Sie darf die Schweiz an einem internationalen Contest vertreten. Besonders ein Forschungsbericht der ETH Lausanne aus dem Jahr 2015 über Mikroplastik im Lago Maggiore liess die Jungforscherin Anna Sidonia Marugg von der Maturaklasse des Lyceums Alpinum in Zuoz aufschrecken. Daraus erwuchs ihr Interesse an der Problematik von Umweltverschmutzungen durch Plastikrückstände. Anlässlich ihrer Maturaarbeit ergab sich die Möglichkeit herauszufinden, wie es um die Verschmutzung der Oberflächengewässer im Oberengadin steht.

Insbesondere, ob und wo sich welche Kunststoffe in welcher Konzentration befinden. Grundsätzlich wird zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik unterschieden. Ersteres wird industriell bereits in sehr kleiner Grösse hergestellt und findet sich in industriellen Produkten und Verfahren. Sekundäres Mikroplastik entsteht durch die Fragmentierung grösserer Plastikteile. Für die
Laboranalysen durfte Marugg die Infrastruktur der Fakultät Mensch-Gesellschaft-Umwelt der Universität Basel nutzen.

So konnte sie zum Beispiel mit Hilfe des Infrarot-Spektroskops ihre Proben selbst auswerten.
Messinstrument entwickelt Auf den Seen des Engadins dürfen bekanntlich keine privaten Motorboote fahren. Somit musste eine Alternative zum Manta-Traws, dem herkömmlichen am Boot befestigten Probenentnahmegerät, gefunden werden. Deshalb entwarf und baute sie eine leichte, kostengünstige und gut transportable Eigenkonstruktion, ein «Ladi-Trawl» (Low-Tech Aquatic Debris Instrument, auf Deutsch: technisch einfaches, nicht mechanisches Wasserrückstands-Messinstrument). Dieses eignete sich dann auch sehr gut für die Messungen in den Flüssen und Bergseen.

Zudem war das Gerät einfach zu zerlegen und angenehm im Rucksack zu transportieren.
Erstaunlich war für Anna Sidonia Marugg, dass bereits an der höchsten Messstation im Lunghinsee auf 2484 Meter über Meer, der Quelle des Inns und wichtiger europäischer Hauptwasserscheide, Partikel von Mikroplastik nachgewiesen werden konnten. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um liegen gelassenes Verpackungsmaterial handelt, das durch UV-Strahlung, Wind und Wetter fragmentiert wurde. Auch könnte es von Fasern synthetischer Kleidungsstücke respektive Materialien von Outdoor-Ausrüstungen stammen. An allen acht Messstandorten im Oberengadin waren die Wasserproben mit Plastikteilchen angereichert, wobei 51 von 60 Plastikfragmenten 22 unterschiedlichen Kunststoffarten zugeordnet werden konnten.

Der höchste Partikelanteil wurde in einer Stichprobe des St. Moritzersees gemessen. Es ist anzunehmen, dass die Bevölkerungsdichte sowie die diversen Anlässe auf dem See zu dieser Konzentration führen. Flussabwärts wurden jedoch keine linear höheren Mikroplastikwerte festgestellt.
Verschmutzung vor der Haustüre Eine Lösung des Problems sieht die Preisträgerin vor allem im verantwortungsvollen Handeln jedes Einzelnen.

«Mein grosses Anliegen ist es, die Aufmerksamkeit auf die Gewässer der näheren Umgebung im Engadin zu lenken. Beim Thema Plastikverschmutzung denken die meisten ja an weit entfernte Weltmeere», sagt sie. Ihrer Meinung nach wäre ein gesetzlich geregelter Grenzwert wünschenswert, aber die effektive Reduktion von Mikroplastik liege im Praktischen. Es
brauche ein Umdenken und einen Bewusstseinswandel, und dieses sei relativ einfach umzusetzen. «Schön wäre es, wenn Wanderer, Biker, Langläufer und Skifahrer konsequent ihren Abfall mitnähmen und auch weiteren an den Weges-, Pisten- und Loipenrändern liegenden Müll entsorgen, bevor dieser fragmentiert und in die Böden und Gewässer eindringt.

»
Gleich zwei Preise gewonnen Nach dem Erhalt dieser ausserordentlichen Auszeichnung und den Erkenntnissen der Studie ist es ihr nun umso wichtiger, sich persönlich für den Umweltschutz vor Ort einzusetzen. Dies wird sie unter anderem bei Projekten von Pro Terra Engiadina in Schulen und Tagesworkshops tun. Der für den April geplante Vortrag bei der Naturforschenden Gesellschaft des Engadins wird umständehalber auf einen späteren, noch nicht bekannten Zeitpunkt verschoben. Anna Sidonia Marugg erhielt von der Stiftung «Schweizer Jugend forscht» für ihre Wettbewerbsarbeit «Erstnachweis von Mikroplastik in den Gewässern des Oberengadins» das Prädikat hervorragend. Zudem gewann sie mit ihrer Arbeit auch den «Swiss Junior Water Prize».

Damit darf sie die Schweiz an einem internationalen Contest vertreten. Jürg Berger
Die Forschungsarbeit wird auf YouTube unter dem Suchbegriff Anna Sidonia Marugg vorgestellt..